11.12.2015

85 flauschige Neubürger im Wattenmeer

Themen: 
Erfreulicher Auftakt der Kegelrobben-Wurfsaison – Verhaltenstipps für Naturfreunde
Zwei Kegelrobbenmütter mit Nachwuchs. Foto: Richard Czeck / Nationalparkverwaltung

Im weißen Lanugo-Fell sind die jungen Kegelrobben gut von den Alttieren zu unterscheiden. Foto: Richard Czeck / Nationalparkverwaltung

Beim ersten Zählflug dieser Saison (am 4. Dezember) wurden im niedersächsischen und hamburgischen Wattenmeer insgesamt 273 Kegelrobben gezählt. Davon waren 188 erwachsene Tiere und 85 Neugeborene. Die „Hochburg“ ist das Gebiet Osterems (Borkum-Juist), in den übrigen Bereichen des Nationalparks wurden nur vier erwachsene Kegelrobben erfasst.

Zwischen Dezember (Wurfzeit) und April werden jährlich jeweils fünf Zählflüge durchgeführt. Die Gesamtzahl der Tiere lässt sich erst nach Auswertung aller Flüge ermitteln. 2014/15 wurden als Maximum 293 Kegelrobben gezählt, davon insgesamt 99 Jungtiere. In den ersten Wochen sind die Jungtiere durch ihren weißen Pelz noch gut von den Alttieren zu unterscheiden.

Seehunde werden im Sommer auf Sandbänken geboren und folgen der Mutter mit der ersten Flut nach der Geburt ins Wasser. Kegelrobben kommen im Winter auf hochliegenden Platen zur Welt und verbringen ihre ersten Lebenswochen an Land. Durch die gehaltvolle Muttermilch setzen sie schnell eine wärmende Speckschicht an. Dann tauschen sie den Pelz gegen ein kurzes Fell, das besser als „Badeanzug“ geeignet ist, und tauchen in ihren Lebensraum Nordsee und Wattenmeer ein.

Während der Säugezeit sind die Mütter immer mal wieder für einige Stunden im Wasser unterwegs. Ein Baby, das allein am Strand liegt, ist also keineswegs verwaist. Wer ein Jungtier entdeckt, sollte sich aus gebührendem Abstand (mindestens 300 Meter) an diesem Anblick erfreuen, aber auf keinen Fall zu dem Tier hingehen oder es gar streicheln – denn dann würde es die Mutter nach ihrer Rückkehr nicht mehr annehmen.

Wer durch längere Beobachtung den Eindruck gewinnt, das Baby sei doch mutterlos oder verletzt, sollte die zuständigen Fachleute darüber informieren (Seehundstation Nationalparkhaus Norddeich, Tel. 04931-8919 oder -97 33 30, oder über den Ranger oder das Nationalparkhaus vor Ort). Die Experten machen sich dann selbst ein Bild und entscheiden, ob das Tier in Obhut genommen werden muss oder nicht.   

Die flauschigen Kerlchen sind widerstandsfähiger als sie aussehen. So verschlug es im vorletzten Jahr drei junge Kegelrobben durch Sturmtief „Xaver“ bis an den Wanderweg zwischen Salzwiese und Dünen im Westen von Juist. Doch schnell waren die Mütter zur Stelle, der Weg wurde kurzfristig gesperrt und einige Tage später hatten alle das hochgelegene Notlager wieder verlassen.

Während die Seehundstation jährlich etwa 150 verwaiste Seehunde aufzieht, sind es immer nur einige wenige Kegelrobbenbabies. In dieser Saison war das bislang nicht der Fall. Auch wenn die Tiere in der Station liebevoll und kompetent versorgt und nach einigen Monaten wieder ausgewildert werden, so ist doch das Aufwachsen in der Natur ohne menschlichen Kontakt immer die bessere Alternative.

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