16.10.2016

Vogelzug mit schwedischem Akzent

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Beim Zugvogelfest in Horumersiel zogen die Veranstalter eine Bilanz der 8. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Insgesamt wurden 202 Vogelarten beobachtet, das Wangerland, Wangerooge und Cuxhaven gewannen mit den längsten Artenlisten den „Aviathlon“. Das Freiwilligen-Netzwerk „Watt°N“ und Schweden als Schwerpunktland setzten frische Akzente.
Siegerehrung Aviathlon 2016

Joanne Sander und Lukas Folger (Wangerooge, links) und Paula Christoph und Sarah Arnecke (Wangerland, rechts) nahmen die Aviathlon-Siegerurkunden von Peter Südbeck entgegen. Foto: Nationalparkverwaltung

Nun sind die 8. ZVT im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer bereits Geschichte: Neun Tage voller Erlebnisse und aufregender Vogel-Beobachtungen liegen hinter Veranstaltern und Teilnehmern. Zum Abschluss kamen noch einmal etwa 1500 Akteure und Besucher auf dem Zugvogelfest in Horumersiel zusammen, die von dem bunten Rahmenprogramm, der inspirierenden Ausstellung aller Bilder der diesjährigen Kinderaktion und den informativen Ständen angelockt wurden. So wurde im Haus des Gastes nicht nur gefachgesimpelt, sondern auch viel gelacht und gestaunt, gelauscht (Musik von den Tüdelüüten und DreyBartLang) und geschlemmt. Wie schon bei vielen Angeboten dieser Zugvogeltage, gab es auch hier eine schwedische Note: Sabrina Ernst hatte sich mit ihrem Team vom Frieslandcafé für diesen Tag an schwedischen Rezepten orientiert. Am Infostand der Deutsch-Schwedischen Gesellschaft gab es Infos aus erster Hand über das Land auf dem Ostatlantischen Zugweg, dem dieses Jahr besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dazu passend wurden tatsächlich bei den Zugvogeltagen auch viele Vogelarten beobachtet, die aus Schweden kamen, darunter der Bergfink, die Rotdrossel und der Bruchwasserläufer.

Insgesamt wurden bei den 8. Zugvogeltagen 202 Arten beobachtet, fast so viele wie in den vergangenen Jahren, obwohl die Wetter- und Tidebedingungen eigentlich nicht optimal waren. Nationalpark-Leiter Peter Südbeck führt das vor allem auf den Spaß und Ehrgeiz zurück, den immer mehr gestandene Ornithologen am Zugvogeltage-Aviathlon haben. Bei diesem Wettbewerb zwischen den sieben Inseln und elf Festlandsregionen geht es darum, wo während der Zugvogeltage die meisten Arten beobachtet werden. „Dieses Jahr hat die 2015 begonnene Zusammenarbeit mit ornitho.de, der größten deutschen online-Plattform für Vogelbeobachtung, richtig Früchte getragen. Dadurch kann man im Internet in Echtzeit verfolgen, welche Insel und welche Region gerade den Schnabel vorn hat und sehen, wo welche Arten beobachtet wurden. So war der Wettbewerb vom ersten Tag an unglaublich spannend und überraschend ergiebig, er startete gleich mit insgesamt 141 Arten und blieb bis zum Schluss aufregend.“ Denn das Endergebnis wurde erst in Horumersiel bekannt gegeben: Wangerooge ging mit 138 Arten als Sieger unter den Inseln hervor, das Wangerland und Cuxhaven waren mit jeweils 141 Arten die erfolgreichsten Festlandsregionen. Durch den vorherrschenden Ostwind wurden den Beobachtern Arten wie die Steppenweihe, der Dunkellaubsänger und die Zwergammer vors Spektiv gepustet. Typische Hochseevögel, von denen die Inseln beim Wettbewerb profitieren, waren in den Vorjahren mit Westwinden stärker vertreten.

Erstmals waren Mitglieder des 2015 gegründeten Freiwilligen-Netzwerkes „Watt°N“, in dem sich ehemalige „Vogelzivis“, FÖJler, Praktikanten und andere ehrenamtliche Mitarbeiter des Nationalpark zusammengeschlossen haben, bei den Zugvogeltagen dabei. Die „Watt°N“-Leute hatten auf Borkum eigene Beiträge im Programm, unterstützen andere Veranstalter mit ihrem Fachwissen und präsentierten sich mit einem Stand auf dem Zugvogelfest. „Das ist genau das, wovon wir schon lange geträumt haben“ betont Südbeck, „ein tatkräftiges Netzwerk von Unterstützern, die alle das Wattenmeer kennen und lieben gelernt haben und ihm weiterhin aktiv verbunden sein möchten.“

Großen Anklang fand die Ausstellung aller Bilder der diesjährigen Kinder-Malaktion zum Thema „Was fressen Vögel im Wattenmeer?“ 230 Kinder von vier bis vierzehn Jahren haben sich beteiligt – mit unglaublich schönen und überraschenden, manchmal auch lustigen Einfällen, wie Jana Hollenbach, Praktikantin bei der NLPV, begeistert erzählt. Sie hat die Kinderaktion betreut und wird dafür sorgen, dass in wenigen Tagen alle Kunstwerke wieder auf zugvogeltage.de zu bewundern sind. Außerdem dürfen sich zehn Kinder auf je ein tolles Fernglas freuen, das extra für die Kinderaktion von der Firma MINOX gespendet wurde.

Bei den fast 300 Veranstaltungen der 8. Zugvogeltage wurden mehr als 16000 Teilnehmer gezählt, eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren. Die Bandbreite reicht von Intensiv-Workshops mit maximal 10 Personen über die „Vogeltürme“ mit je mehreren Hundert Besuchern pro Tag bis zum Zugvogelfest mit gut 1500 Besuchern. Peter Südbeck zeigte sich rundum zufrieden mit den 8. Zugvogeltagen: „Es macht einfach Spaß zu sehen, was wir erreichen können, wenn alle Nationalpark-Einrichtungen und zahlreiche Nationalpark–Partner an einem Strang ziehen. Der große Anklang dieser Veranstaltungsreihe ist für uns alle motivierend und trägt erheblich zur Akzeptanz des Nationalparks bei“.

Eines steht jetzt schon fest: Die 9. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer finden vom 14. bis 22. Oktober 2017 statt.

 

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